Nackenschütteln!?

29. April 2009

Beitragsseiten

Meiner Erfahrung nach kann man all das als Mensch bei der Welpenerziehung ganz gut nachahmen. (Vorsicht: übernimmt man einen Hund erst als erwachsenes Tier, ist es aber wieder etwas ganz anderes!) Also: „knurren" (mit tiefer Stimme „Nein" o.ä. sagen), erstarren und böse gucken. Reicht das nicht: noch mehr „knurren" und über die Schnauze fassen. Reicht auch das nicht: den Welpen kurz zu Boden drücken. Dabei wird die Reaktion auf unser "Nein" gelernt, so daß nach ein paar Wiederholungen das „Nein" allein ausreicht und man den Welpen damit wirksam stoppen kann, wenn er z.B. im Spiel zu fest beißt oder etwas Verbotenes tun will. Ich hatte nie den Eindruck, daß diese Maßnahmen dem Welpen schaden oder ihn übertrieben einschüchtern. Bei den vier Würfen habe ich dies mit den Welpen ab 6 Wochen geübt und konnte mit 8 Wochen Welpen abgeben, die zeitlebens gut auf das "Nein" ihrer Menschen gehört haben und außerdem schon eine sehr gute Beißhemmung hatten.

Nun hat sich aber gezeigt, daß man dabei auch viele Fehler machen kann (weswegen manche Hundetrainer den Schnauzgriff oder das Herunterdrücken auch lieber von vornherein gar nicht erst empfehlen). Es kommt wirklich darauf an, das Verhalten der Hündin ziemlich genau nachzuahmen. Wenn man mit hoher Stimme leise „Nein" murmelt und den Hund nur zaghaft zurückschiebt, erzielt man nicht den gewünschten Effekt. Etwas schauspielerische Begabung und eine gewisse Energie sind schon nötig.

Und Leute, die ihren Welpen zur Strafe im Nackenfell packen und schütteln, statt ihn herunterzudrücken, bekommen meistens einen sehr erregten Hund, der evtl. heftig zurückschnappt. Denn genauso spielen die Welpen untereinander: sie packen sich im Fell und rütteln daran. Das Rütteln scheint dem Welpen also eigentlich eine Auforderung zu wildem Raufspiel zu sein. Andererseits spürt er aber auch den Ärger des Menschen und ist bald wegen dieser widersprüchlichen Botschaften völlig verwirrt und gestreßt. Über einige Zeit falsch angewandt kann dieses Schütteln daher sogar zu einer Art Handscheue führen - nähert sich eine Hand von oben, wird der Welpe sehr aufgeregt und schnappig, weil er nicht weiß, was auf ihn zu kommt.

Wenn man den Welpen aber richtig hochheben und beuteln würde, wäre das tatsächlich viel zu massiv. Es würde ihm mit Sicherheit wehtun, könnte ihn sogar verletzen und würde ihm Angst machen - wenn ich auch nicht unbedingt glaube, daß ein Welpe weiß, daß das einem Beutetier gegenüber ein „Totschütteln" wäre. Woher sollte er das wissen? Aber es stimmt, daß erwachsene Hunde den anderen eigentlich nur noch in einem ernsthaften Kampf mit Verletzungabsicht schütteln. Im Spiel kommt dies dann nicht mehr vor und eine Erziehungsmaßnahme ist es schon gar nicht.

Will man also das Verhalten der Mutterhündin nachahmen, ist schütteln falsch, denn erwachsene Hunde schütteln Welpen nicht. Will man aber nur irgend etwas Unangenehmes tun, um den Welpen zu bestrafen, eignet sich das Schütteln auch nicht, denn es ist entweder allzu brutal oder wird vom Welpen falsch verstanden und regt ihn nur noch mehr auf.

Fazit: Nackenschütteln ist als Hunde-Erziehungsmethode "out" - und war bei Hunden und Wölfen auch nie "in".

Viele Grüße,

Sabine Winkler