Stubenreinheit

21. Januar 2021

Welcher Welpenbesitzer kennt nicht die Frage: „Wann wird der Welpe stubenrein?“ Dafür gibt es keine Faustregel. Manche Welpen sind sehr schnell stubenrein, bei anderen kann es auch länger dauern.

Wie Sie Ihrem jungen Hund helfen, stubenrein zu werden, erklärt Andrea Schneider.

Damit es mit der Stubenreinheit klappt, gibt es ein paar Regeln zu beachten.

Sie müssen sich vorstellen, dass alles für Ihren Welpen neu ist, wenn er bei Ihnen einzieht. Neue Menschen, neue Umgebung und neue Gerüche. Da ist es verständlich, dass der Welpe seine neue Umgebung kennenlernen und erkunden möchte. Dieses Erkunden und Kennenlernen ist nicht immer nur mit Freude gepaart, sondern auch Aufregung und sogar Angst spielen mit. Da ist es oftmals schwer, seine Blase zu kontrollieren, was auch sicherlich aus Menschensicht gut nachvollziehbar ist.

Auch wenn die Kinder aus der Schule nach Hause kommen oder generell Besuch kommt oder Sie mit dem Welpen sowieso gerade Gassi gehen wollten, kann es schon mal passieren, dass da aus Freude und Aufregung etwas „in die Hose“ geht.

Zudem sind es nicht alle Welpen gewohnt, sich auf jedem Untergrund zu lösen. Je nachdem, wie ihre Kinderstube war oder auch im Winter die Wetterverhältnisse, hat nicht jeder Welpe gelernt, sich auf z. B. Rasen zu lösen. D. h., dass dies eventuell neu gelernt werden muss. Generell gilt jedoch: Die Blase und der Darm sind beides Organe, die natürlich mitwachsen. Ein Hund kann mit ca. 4 Monaten seine Blase und seinen Darm kontrollieren.

In der Regel sollte der Welpe die Möglichkeit haben, sich ca. alle 2 Stunden lösen zu können. Falls Sie einen Garten haben (und es möchten), können Sie ihn dort sich lösen lassen. Bei Mietswohnungen gibt es oft im Vorgarten ein Plätzchen, an dem der Hund sich lösen kann und darf. Da diese Zeitvorgabe auch für die Nacht gilt, legen Sie sich abends schon Jacke und Schuhe parat, damit Sie auch nachts schnell den Welpen zum Löseplatz bringen können. Für langes Anziehen ist da manchmal keine Zeit. Um Ihrem Welpen nachts die Möglichkeit zum Lösen geben zu können, ist es sinnvoll, sich den Wecker zu stellen. Sollte der Welpe schlafen, wecken Sie ihn sanft und gehen Sie mit ihm zum Löseplatz. Sie vermeiden auf diese Weise Unfälle, die geschehen, wenn der Welpe aufwacht und es dann nicht mehr bis zum Löseplatz schafft. Verlängern Sie langsam die Dauer der Schlafzeiten. Sinnvoll ist es, wenn der Welpe in der Nähe Ihres Bettes schläft, dann bekommen Sie am ehesten mit, wenn er unruhig wird.

Immer wenn sich der Welpe löst, ganz egal ob auf dem Spaziergang oder an der Stelle, die Sie ihm anbieten, loben Sie ihn. Zeigen Sie dem Welpen, dass Sie es toll finden - entweder verbal mit freundlicher und ruhiger Stimme oder auch über eine Futterbelohnung. Aber bitte erst gegen Ende seines Geschäftes. Manche Hunde unterbrechen ihr Vorhaben sonst, um schneller an die Belohnung zu kommen.

Auf keinen Fall darf mit dem Welpen, wenn ihm ein Missgeschick passiert ist, geschimpft werden oder die Nase in seine Hinterlassenschaft gesteckt werden. Dies ist nicht vertrauensfördernd und erzeugt Angst. Wenn Sie den Hund öfter für Missgeschicke maßregeln, wird er mit der Zeit lernen, wo er sich lösen kann, ohne dass Sie es entdecken. Oder er löst sich nur noch, wenn Sie nicht anwesend sind. Ihr Welpe hat dann verknüpft, dass Lösen in Ihrer Gegenwart Ärger bedeutet. Er hat nicht gelernt, dass er sich woanders versäubern soll und kann. Wischen Sie alles einfach kommentarlos weg und erinnern Sie sich daran, beim nächsten Mal schneller zu sein und Ihren Hund besser im Auge zu behalten. Verwenden Sie beim Entfernen des Missgeschicks keine mit Ammoniak versetzten Reiniger. Dieser Geruch ist dem des Urins des Hundes sehr ähnlich und kann den Hund animieren, erneut an diese Stelle zu machen.
 

Die wichtigsten Regeln, wann der Welpe das Angebot zum Lösen bekommen sollte: Stubenreinheit TitelFoto: ulkas - Fotolia.com

• Nach dem Schlafen

• Nach dem Fressen/Trinken

• Nach dem Spielen

• Wenn er unruhig wird
 
 
Beobachten Sie Ihren Welpen: Wenn er unruhig wird, er an eine Stelle läuft, an der er sich schon einmal gelöst hat, wenn er sich im Kreis dreht oder auf dem Boden schnuppert, dann nehmen Sie ihn hoch und tragen ihn schnell zu seinem Löseplatz. Dies können Anzeichen sein, dass Ihr Welpe sein Geschäft verrichten muss. Nicht jeder Hund gibt das über eine Lautäußerung klar zu verstehen. Einige Hunde laufen zu der Tür, die zu ihrem Löseplatz führt. Schauen Sie genau hin, wie Ihr Welpe sich bemerkbar macht.
 
Viele Welpenbesitzer machen die Erfahrung, dass sich der Welpe auf dem Spaziergang nicht löst. Dies ist völlig normal. Die Welt der Welpen ist so neu und aufregend, auf jedem Spaziergang wird etwas Neues entdeckt, da kann der Welpe schon mal vergessen, sich zu lösen. Ist er wieder zu Hause, in der mittlerweile gewohnten Umgebung, fällt ihm ein: da war ja noch was, und er löst sich dann. Dem können Sie vorbeugen, indem Sie entweder vor oder nach dem Spaziergang mit dem Welpen an eine für ihn bekannte Lösestelle gehen. Dort warten Sie dann, bis er sich gelöst hat.
 
Dasselbe gilt übrigens auch für erwachsene Hunde, die noch nicht gelernt haben, wo man sich versäubert. Das kann zum Beispiel bei Hunden der Fall sein, die vorher nicht in einer Wohnung gelebt haben. Auch hier muss der Hund erst lernen, dass nicht nur sein Körbchen, sondern die komplette Wohnung sauber gehalten werden soll. Und auch hier heißt es vor allem aufpassen, schnell genug sein und das richtige Lob verteilen. Auch wenn mal bei erwachsenen Hunden, die bisher sauber waren, ein Missgeschick passiert, tut Ihr Hund das nicht, um Sie zu ärgern oder sogar angeblich zu dominieren. Schauen Sie, was sich vielleicht bei Ihnen zu Hause verändert hat und das ausgelöst haben könnte. Das können eine Futterumstellung oder die Änderung der Fütterungszeit sein. An heißen Tagen ist es vielleicht die verstärkte Wasseraufnahme und im Winter das Schneefressen. Oder der Hund ist eventuell krank. Blasenentzündungen, aber auch ein Magen-Darm-Virus kann den Hund aus dem Gleichgewicht bringen und zu solchen Unfällen führen. Hier gilt es zuerst einmal zum Tierarzt zu gehen. Ist die Lösung dort nicht zu finden, ist ein Hundeverhaltensberater der nächste richtige Ansprechpartner.
 

AndreaSchneiderZur Person:

Andrea Schneider ist zertifizierte Hundeerzieherin und Verhaltens-beraterin IHK/BHV. Seit 2010 betreibt sie die Hundeschule „PfotenCoach“. Seit 2014 ist sie Mitgliedervertreterin im BHV.

Kontakt:

www.pfotencoach.net

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