Hunde für Handicaps - Der Weg vom Welpen zum Assistenzhund Teil 3

Ausbildung, Einarbeitung, Prüfung!

Hunde für Handicaps unterstützt Menschen, die mit Behinderung leben, bei der Ausbildung ihrer eigenen Hunde zu Assistenzhunden.

Darüber hinaus zieht der Verein regelmäßig Welpen im Patenprogramm auf, die, sofern sie dafür Talent haben und geeignet sind, zu Assistenzhunden ausgebildet werden.

In den letzten beiden Ausgaben des „Familienhundes“ berichtete ich, nach welchen Kriterien wir die Welpen auswählen, wie ihr erstes Lebensjahr im Verein aussieht und was es mit den umfangreichen Eignungstests auf sich hat.

Ebenso stellte ich den Ablauf und die Organisation der drei Ausbildungswege, Selbstausbildung, Fremdausbildung und als Kombination daraus: Die Selbstausbildung nach Patenprogramm vor. In dieser Ausgabe geht es am Beispiel der Hunde, die zurzeit im Training sind, um die Ausbildung des Hundes ab bestandenem Eignungstest bis zum geprüften Assistenzhund.

Eignungsfeststellung und Karriereplanung

Vor einigen Wochen fanden die Eignungstests für unsere einjährigen Hunde statt. Darunter waren Quix (Patenprogramm) und Luna (Selbstausbildung). Sie haben die Tests bestanden und sind jetzt in der Spezialausbildung zum Assistenzhund.

Quix ist ein eineinhalb Jahre alter Sheltierüde. Schon seit seinem Einzug bei uns im Verein mit acht Wochen begeistert er uns. Er ist ein charmanter, immer fröhlicher, gut gelaunter, mutiger und witziger kleiner Hund, der sich mit jedem Menschen und jedem Hund hervorragend versteht und für so einen kleinen Kerl ein unglaubliches Selbstbewusstsein hat. Er hat sämtliche Eignungstests mit Bravour bestanden und befindet sich bei mir in der Ausbildung. Als Sheltie ist Quix ein kleiner Hund, der keine schweren Gegenstände apportieren und schwere Türen öffnen kann oder gar Packtaschen tragen wird. Das unterscheidet ihn von unseren Retrievern. Sein „Berufsfeld“ wird also einmal ein wenig anders sein. Vorstellbar für unseren schwarz-weißen Azubi wäre ein Job als Anzeigehund, zum Beispiel für einen Menschen mit Diabetes oder jemanden, der eine Hörbehinderung hat. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, zu welchem unserer Bewerber Quix am besten passt und wen er als Assistenzhund unterstützen kann.

Als Selbstausbilderin hat „Jasmin“ in diesem Jahr ihre „Luna“ zur Eignungsüberprüfung vorgestellt. Auch sie hat die Eignungsüberprüfungen sowie die ausgiebigen Gesundheitstests bestanden. Die kleine Mischlingshündin kommt aus dem Tierschutz und ist bei Jasmin aufgewachsen. Jasmin ist eine sehr erfahrene Hundehalterin, die bereits mit ihrem Assistenzhund Mars viel Trainingserfahrung gesammelt hat. Das und die Unterstützung der Trainerinnen des Vereins befähigen sie, Luna selbst auszubilden. In den nächsten Monaten wird sie Luna alle Assistenzleistungen so beibringen, wie sie es von ihr braucht und wie Luna sie ausführen kann.

Wie Quix und Luna starten alle unsere Hunde nach Eignungsfeststellung ihre spezialisierte Ausbildung. Die Hunde von Mitgliedern, die ihren Hund selber ausbilden, trainieren mit ihren Menschen fleißig weiter. Für die Hunde aus dem Patenprogramm entscheiden die TrainerInnen des Vereins gemeinschaftlich, welcher der Hunde seinen Weg in „Fremdausbildung“ fortsetzt und welcher schon reif und gut genug erzogen ist, um direkt zu seinem zukünftigen Assistenzhundhalter zu ziehen, wo er dann in „Selbstausbildung nach Patenprogramm“ weiter trainiert wird.

Die Aufzucht und anspruchsvolle Ausbildung eines Assistenz hundes wie Pitu, Pluto, Quix und Luna ist sehr zeitaufwändig und kostspielig. Die Ausbildung mit dem Weg der „Fremdausbildung“

In der Zeit beim Trainer lernen sie verschiedene Fertigkeiten. Dazu gehören insbesondere das Apportieren, das Einnehmen verschiedener Positionen am Rollstuhl sowie das Ziehen mit dem Maul an einem Seil oder einem Kleidungsstück und das Anstupsen mit der Nase und/oder Pfote von verschiedenen Gegenständen.

Sobald für die Hunde eine passende Person gefunden ist, werden diese Fertigkeiten, je nach individuellem Bedarf, weiter angepasst und zu komplexen Hilfeleistungen ausgebaut.

Für die meisten Assistenzhundhalter hat das Apportieren von heruntergefallenen Dingen einen besonders hohen Stellenwert, denn schnell fällt einem mal etwas aus der Hand. Ohne Assistenzhund ist man dann meist auf die Hilfe von Passanten angewiesen. Wenn aber der Assistenzhund freudig parat steht, um zum Beispiel den heruntergefallenen Schlüssel wieder aufzuheben, ist das eine große Hilfe und verleiht Unabhängigkeit. Während der Ausbildung lernen die Hunde, alle möglichen Dinge auf Signal zu apportieren und diese ihrem Halter entweder in die Hand zu geben, ruhig zu halten, bis sie ihnen abgenommen werden, oder auf den Schoß zu legen. Hierfür ist es sehr wichtig, dass die Hunde problemlos Gegenstände aus verschiedensten Materialien und auch in verschiedenen Größen und Formen apportieren. Eine besondere Herausforderung stellen häufig Gegenstände aus Metall, wie zum Beispiel eine Schere, Besteck oder kleine Geldmünzen dar, da diese für die Hunde schwierig ins Maul zu nehmen sind.

Aus dem erlernten Ziehen können hinterher beispielsweise Hilfeleistungen weiter ausgebaut werden wie die Hilfe beim Ausziehen, die Türen auf- oder zuziehen, den Rollstuhl zum Halter hinziehen, wenn der Halter beispielsweise gerade auf einem Stuhl sitzt und der Rollstuhl zu weit weg steht, den Wäschekorb ziehen und vieles mehr. Aus dem Anstupsen mit Nase oder Pfote können später komplexe Hilfeleistungen wie die Betätigung von Licht- oder Ampelschalter oder das Öffnen und Schließen von Türen werden. Aber auch Hilfeleistungen wie den heruntergerutschten Arm des Assistenzhundhalters zurück auf die Armlehne zu schieben, gehören dazu.

Die hübsche Labradorhündin Pitu hat mittlerweile schon ein sehr großes Repertoire an den vorgestellten Fertigkeiten in der Fremdausbildung gelernt. Sie apportiert zuverlässig so ziemlich alles, was einem herunterfallen kann, sie öffnet und schließt Türen und Schubladen, betätigt die Lichtschalter, ruft den Lift oder bringt das Telefon. Sie kann beim Ausziehen helfen und die Wäsche aus der Waschmaschine in den Wäschekorb legen. Darüber hinaus kennt sie verschiedene Positionen am Rollstuhl, schlüpft auf Signal selbständig in ihr Halsband und ist im Alltag eine sehr angenehme, freundliche und temperamentvolle Schmusebacke, die jederzeit zur Arbeit bereit ist – aber ebenso gerne zum Schlafen unter die Bettdecke krabbeln würde. Sie wartet momentan noch auf ihren passenden Deckel, um dann mit ihrem neuen Menschen gemeinsam ein gutes Team zu bilden. Der lustige und liebenswerte Golden-Retriever-Rüde „Pluto“ ist so alt wie Pitu und lebt bereits seit Anfang des Jahres bei seiner Halterin Angela. Die beiden gehen Weg der „Selbstausbildung nach Patenprogramm“. Gemeinsam mit unserer Trainerin und Trainingskoordinatorin Kerstin Gerke bringt Angela ihrem Assistenzhund die benötigten Hilfeleistungen selbst bei. Nach der Eingewöhnungsphase und Einarbeitung festigten sie im Moment den Grundgehorsam und trainierten am Apportieren und am Ziehen. 

Die hübsche Labradorhündin Pitu hat mittlerweile schon ein sehr großes Repertoire an den vorgestellten Fertigkeiten in der Fremdausbildung gelernt. Sie apportiert zuverlässig so ziemlich alles, was einem herunterfallen kann, sie öffnet und schließt Türen und Schubladen, betätigt die Lichtschalter, ruft den Lift oder bringt das Telefon. Sie kann beim Ausziehen helfen und die Wäsche aus der Waschmaschine in den Wäschekorb legen. Darüber hinaus kennt sie verschiedene Positionen am Rollstuhl, schlüpft auf Signal selbständig in ihr Halsband und ist im Alltag eine sehr angenehme, freundliche und temperamentvolle Schmusebacke, die jederzeit zur Arbeit bereit ist – aber ebenso gerne zum Schlafen unter die Bettdecke krabbeln würde. Sie wartet momentan noch auf ihren passenden Deckel, um dann mit ihrem neuen Menschen gemeinsam ein gutes Team zu bilden. Der lustige und liebenswerte Golden-Retriever-Rüde „Pluto“ ist so alt wie Pitu und lebt bereits seit Anfang des Jahres bei seiner Halterin Angela. Die beiden gehen den Weg der „Selbstausbildung nach Patenprogramm“. Gemeinsam mit unserer Trainerin und Trainingskoordinatorin Kerstin Gerke bringt Angela ihrem Assistenzhund die benötigten Hilfeleistungen selbst bei. Nach der Eingewöhnungsphase und Einarbeitung festigten sie im Moment den Grundgehorsam und trainierten am Apportieren und am Ziehen. 

„Matching“ und Einarbeitung

Bei der Selbstausbildung sucht sich der Hundehalter selbst einen Hund aus und trägt von Beginn an die gesamte Verantwortung für den Hund und dessen Erziehung bzw. Ausbildung. Das schaffen nicht alle Menschen, zumal das Risiko relativ hoch ist, dass der Hund die Eignungstests nicht besteht. Denn die Erfahrung zeigt, dass im Durchschnitt nur ca. jeder vierte bis fünfte Hund die Gesundheits- und Verhaltensanforderungen erfüllt.

Bei Hunden aus dem Patenprogramm, die dann entweder in „Fremdausbildung“ oder in „Selbstausbildung nach Patenprogramm“ ausgebildet werden, trägt dieses Risiko Hunde für Handicaps, indem der Verein die Welpen bis zu den Eignungstests aufzieht und nur die Hunde an Menschen mit Behinderung abgibt, die geeignet sind. Die Hunde, die kein Talent als Assistenzhund haben oder sogar selbst gesundheitlich nicht ganz fit sind, können als Familienhunde bei den Paten bleiben. Die geeigneten Hunde hingegen ziehen entweder zu einem Trainer oder schon zu ihrem Assistenzhundehalter um. Daher kommt bei allen Hunden aus dem Patenprogramm dem „matching“, das in der Verantwortung des Vereins liegt, dem Auswählen und Zusammenführen von zukünftigem Halter und dem teilweise oder vollständig ausgebildeten Hund, besondere Bedeutung zu.

Ist für die Hunde der passende Mensch gefunden, findet die Eingewöhnung bzw. die intensive Einarbeitungszeit statt. Um den Hunden den Übergang zu ihrem neuen Menschen gut und positiv zu gestalten, werden die Hunde über einen längeren Zeitraum an ihre neuen Menschen gewöhnt. Sie treffen ihre zukünftigen Halter zunächst auf gemeinsamen Spaziergängen, für gemeinsame Trainingseinheiten, für gemeinsame kleine Ausflüge. Wenn die Hunde sie bereits mit Begeisterung empfangen, verbringen sie schon mal mehrere Stunden auch ohne den Trainer bei ihrem neuen Halter. Dies wird Schritt für Schritt erweitert, bis sie Tage oder auch ganze Wochenenden dort leben. In dieser Gewöhnungs- und Einarbeitungsphase lernt der zukünftige Assistenzhundhalter in einer Abwechslung aus Theorie und Praxis, die Signale richtig zu verwenden, den Hund anzuleiten, ihn zu verstärken, zu pflegen und zu versorgen. In einem Zeitraum von etwa drei Wochen lernen also Hund und Mensch, wie sie ihren Alltag gemeinsam bewältigen, wie die Hilfeleistungen abgerufen werden können und wie und woran sie in der nächsten Zeit weiter trainieren werden.

Auch nach dieser Zeit wird das neue Team intensiv weiter betreut und mindestens einmal wöchentlich von einer Trainerin des Vereins unterrichtet. Nach ca. sechs Monaten stellen sich die beiden dann der Assistenzhund-Team-Prüfung des BHV. Nach bestandener Prüfung darf der Hund die Kenndecke tragen, die ihn als Assistenzhund kennzeichnet, und das Team erhält einen Ausweis als Nachweis, dass Mensch und Hund gemeinsam die Assistenzhund-Team-Prüfung bestanden haben. Hund und Halter haben jetzt ihr Ausbildungsziel erreicht und starten in eine gemeinsame Zukunft. Der Verein steht ihm dabei weiterhin, zum Beispiel beim gemeinsamen monatlichen Training, mit Rat und Tat zur Seite.

Im Jahr 2016 hatten der Labrador-Rüde O-Aquensis und Jens ihre Einarbeitung (siehe Familienhund 1/2017). Seitdem wurden beide wöchentlich von Kerstin Gerke begleitet und auch wenn ich in Berlin war, habe ich intensiv mit beiden trainiert.

Am 9. Juni 2017 stand die Assistenzhund-Team-Prüfung für Jens und O-Aquensis an, in der neben der Sachkunde des Hundehalters auch Grundgehorsam, Sozialverhalten und Assistenzleistungen im Zusammenspiel von Hund und Halter geprüft wurden. Jens und O-Aquensis haben mit Bravour bestanden. Herzlichen Glückwunsch! Ihr seid wirklich ein tolles Team!

Wenn Sie mit Behinderung leben und einen Hund haben, mit dem Sie trainieren wollen, melden Sie sich bei einer BHV-Hundeschule in der Region. Falls zum Training Fragen entstehen, kann Hunde für Handicaps e. V. Sie und Ihren Trainer gern unterstützen. Wenn der Hund gesund ist und Sie gut trainiert haben, können Sie mit ihm die Assistenzhund-Team-Prüfung ablegen.

(https://www.hundeschulen.de/menschen-mit-hund/assistenzhund-team-pruefung.html)

Bewerber und Interessenten an Hunden sind ebenfalls jederzeit herzlich im Verein willkommen. Und nicht zuletzt freuen wir uns über die Unterstützung unserer Arbeit in Form von Spenden, die uns dabei helfen, Menschen mit Behinderung zu Menschen mit Hund zu machen.

Weitere Infos unter www.hundefuerhandicaps.de

Der Labrador-Rüde „Rigo“, den ich Anfang des Jahres im Familienhund 1/2017 vorgestellt habe, ist im August 2017 ein Jahr alt geworden. Jetzt stehen auch ihm die Eignungsüberprüfungen bevor. Ob er geeignet sein wird und ebenfalls in die spezialisierte Ausbildung starten kann, um eines Tages einem Menschen mit Handicap als Assistenzhund zur Seite zu stehen, ist erst nach sämtlichen Überprüfungen zu sagen. Aber ich drücke ihm und uns die Daumen, dass aus diesem kleinen, lustigen, frechen schwarzen Welpen einmal ein großer verlässlicher Assistenzhund, bester Freund und Teampartner wird.

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annapitubZur Person

Anna Senkel ist Mitglied im Ausbildungsrat des BHV e. V. und Inhaberin der „Hundeschule am Rettershof“. Als 2. Vorsitzende und Trainerin des Vereins Hunde für Handicaps e. V. ist sie zuständig für Auswahl, Aufzucht und Ausbildung der Vereinshunde. Zudem prüft sie Blindenführhundgespanne und ist Prüferin für den BHV-Hundeführerschein.

Kontakt
www.hundeschule-rettershof.de

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