Belohnung oder Bestechung? - Leckerchen sinnvoll einsetzen

29. April 2009

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Irgendwo in der Lüneburger Heide vor 20 Jahren.
15 Beagle und ihre Menschen machen eine Wanderung.

Einige Mutige wagen es, ihre Hunde abzuleinen. Die freigelassenen Beagle toben fröhlich herum, beachten allerdings ihre Menschen kaum noch. Alle, bis auf einen! Dieser eine kommt zuverlässig, wenn er gerufen wird! Wer diese „dickköpfige", unabhängige, jagdbesessene und liebenswürdige Rasse näher kennt, weiß, daß das bei einem Beagle beinahe eine kleine Sensation ist. Ich staune und erkundige mich bei seinem Besitzer, wie er das macht. Ganz einfach, sagt er, jedesmal wenn sein Hund auf Ruf kommt, bekommt er einen Frolic-Ring.

Meine Reaktion? Ich bin enttäuscht! Das, so denke ich, ist doch kein „richtiger" Gehorsam! Mein Hund (der übrigens nur sehr schlecht auf Ruf kommt!) soll nicht wegen irgendwelcher Leckerchen gehorchen, sondern wegen... Ja, warum soll ein Hund eigentlich gehorchen? Darüber hatte ich damals eigentlich gar keine genaue Vorstellung. Ich hatte nur das vage Gefühl, über Futterbelohnung erreichter Gehorsam sei irgendwie „billig" und befürchtete wohl auch, ein solcher Gehorsam sei weit weniger zuverlässig als ein über Druck und Zwang erreichter. Daher belohnte ich damals meinen ersten Hund, die Beagline „Candy", zwar für kleine Tricks wie Pfötchen geben u.ä. mit Futter, nicht jedoch für „richtige" Übungen wie Sitz oder Platz. Was meinen Sie, war das Ergebnis? „Candy" haßte zeitlebens die Grundgehorsamsübungen und führte die meisten wichtigen Alltagskommandos nur sehr mangelhaft und widerwillig aus, wenn überhaupt. Tricks jedoch machte sie sicher und mit Begeisterung. Kein Wunder!

Im Nachhinein wundere ich mich, wie „vernagelt" ich damals war. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen, daß ich seitdem viel dazu gelernt habe. Erstaunlicherweise ist jedoch die Frage „Futterbelohnung in der Hundeausbildung, ja oder nein?" auch heutzutage unter Hundefreunden und Trainern noch immer ein Reizthema, an dem sich die Geister scheiden. Manche zufällig vorbeikommenden Hundehalter sind z.B. richtiggehend entrüstet, wenn sie sehen, daß in unseren Übungsgruppen die Hunde mit Futter belohnt werden, so als sei das etwas Unmoralisches oder gar Gefährliches. Da ich früher selber so gedacht habe, kann ich mir in etwa vorstellen, was die Gründe dafür sind. Nämlich eine stark vermenschlichende Sichtweise auf den Hund und die Tatsache, daß das Wissen darüber, wie man mit Leckerchen in der Ausbildung wirklich etwas erreichen kann, noch nicht allgemein verbreitet ist. Im Folgenden möchte daher ich die typischen Vorurteile gegen eine Ausbildung mit Futterbelohnung der Reihe nach durchgehen und entkräften und aufzeigen, wie man Leckerchen effektiv einsetzen kann.

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