Der Hund ist kein Gartenzwerg!

28. April 2009

Der Besitz eines Gartens wird nicht selten als ein wichtiges Kriterien für die Anschaffung eines Hundes angesehen.

Die Aussage "Wir haben einen Garten!" scheint beinahe automatisch zur Haltung eines Hundes zu qualifizieren. Es mag daher überraschen, dass meine Kollegen und ich im Frühjahr und Sommer immer mit etlichen Fällen zu tun haben, in denen ausgerechnet der Garten zum Ausgangspunkt für Probleme mit dem Hund wird. Und zwar vor allem, weil der Besitzer annahm, dass sein Garten ein sehr geeigneter Aufenthaltsort für einen Hund sei.


Nach Ansicht des Besitzers soll der Hund...

... wenn der Besitzer beschäftigt und das Wetter nicht zu schlecht ist,
einen Teil seiner Zeit im Garten verbringen.

... allein im Garten spielen und sich so einen Teil der nötigen Bewegung
und Beschäftigung selbst verschaffen.

... evtl. auch melden, wenn sich ein verdächtiger Fremder dem Haus nähert.

 

Der Hund soll nach Ansicht des Besitzers aber bitteschön nicht...

... auf dem Rasen sein großes Geschäft machen.

... an den Stauden sein Bein heben.

... die Beete und den Rasen mit Kratern versehen.

... Rhododendron und Schmetterlingsflieder schreddern.

... im Gartenteich planschen.

... Seerosen aus dem Teich ziehen und Frösche fangen.

... in nassem Zustand mit den Seerosen durch die offene Terrassentür
ins Wohnzimmer laufen und sich auf dem Sofa wälzen, um sich zu trocknen.

... bei jeder kleinsten Bewegung in den Nachbargärten loskläffen.

... am Zaun unter lautem Gekläff Passanten und Fahrradfahrer jagen.

... über den kniehohen Zaun springen und Hunde oder Jogger "anmachen".

... den Garten ohne Erlaubnis verlassen, selbst dann nicht, wenn nebenan
so verlockende Dinge wie Komposthaufen, spielende Kinder, Katzen,
Hunde usw. locken.

 

Und nun raten sie mal, wofür so ein Garten in den Augen eines Hundes nützlich und interessant ist...

Hunde sitzen nun mal nicht wie Gartenzwerge dekorativ auf dem Rasen. Und Hunde spielen auch höchst selten für sich allein wie ein Kleinkind im Sandkasten. Höchstens ganz junge Welpen tun das manchmal für eine kurze Zeit. Ansonsten ist der Hund ein überaus soziales Tier und möchte immer alles gemeinsam mit seinem "Rudel" machen. Und "sein Rudel" - das sind Sie! Etliche Hunde (meine beiden z.B.) halten sich sowieso fast nur im Garten auf, wenn ihr Mensch dabei ist. Bleibe ich im Haus, bleiben sie auch drinnen, egal wie schön das Wetter ist und wie weit die Terassentür aufsteht. Sie spielen sogar nur dann miteinander im Garten, wenn ich dabei zusehe oder mitmache. Ohne Gesellschaft oder "Animation" schlendern sie höchstens zwei-/dreimal täglich über den Rasen und schnuppern alles ab, dann kommen sie wieder dahin, wo "ihre" Menschen sind. Oder sie liegen, wenn ich weg bin, sommers auf dem Rasen und warten auf meine Rückkehr. Für solche Hunde eignet sich ein Garten sowieso nur als gemeinsamer Spiel- und Trainingsplatz. Und es ist es natürlich zweifellos sehr schön, wenn man einen Garten zur Verfügung hat! Nur taugt der Garten unter diesen Umständen natürlich nicht als Ersatz für Spaziergänge und andere Beschäftigungen.

Natürlich gibt es aber auch Hunde, die sich allein im Garten vergnügen. Selbständigere Typen tun das oder junge Hunde. Und auch solche Hunde, die von "ihrem" Menschen insgesamt nicht genug geboten bekommen (da der Mensch vielleicht hofft, der Garten enthebe ihn von solch lästigen Hundehalterpflichten?) und daher beschlossen haben, dass sie sich dann wohl in Eigenregie amüsieren müssen. Nur "amüsieren" sich Hunde meist mit all den oben aufgeführten Aktivitäten, die ihre Besitzer so gar nicht schätzen, wie buddeln oder Zweige abkauen. Für solche Hund-Besitzer-Paare ist der Garten dann oft eine Quelle von anhaltendem Ärger. Denn wenn der Hund Buddeln usw. erst mal so richtig als Ersatzbeschäftigung für sich entdeckt hat, wird er sich dieser Beschäftigung natürlich auch dann mit Ausdauer widmen, wenn er bei gutem Wetter durch die aufstehende Terrassentür viel Gelegenheit dazu hat. Es entsteht so genau das Gegenteil von dem, was der Besitzer wollte: statt ein wenig vom Hundehüten entlastet zu sein, muß er dauernd aufpassen, was der Hund draußen wieder anstellt, und kann im Sommer womöglich nicht mal mehr zeitweise die Tür aufstehen lassen.

Dieselbe Situation entsteht natürlich auch, wenn sich der Hund aus Langeweile zum Ausbrecherkönig entwickelt, was gar nicht so selten vorkommt. Denn der Garten wird einem Hund meistens schnell langweilig. Außerhalb aber locken neue Gerüche, Wildspuren, Katzen, nette Nachbarn die den Hund mit Wurstresten füttern oder Katzenfutter herumstehen haben, andere Hunde, Kinder usw. usf. Deshalb sind nur wenige Hunde zuverlässig hoftreu. Nach Ansicht der meisten Hunde endet ihr Territorium auch nicht automatisch an der Grundstücksgrenze. Wenn man Glück hat, macht der Hund nur hin und wieder eine harmlose Schnüffelrunde und kommt wieder zurück, doch selbst dann kann man das heutzutage nur noch in sehr ländlichen Gebieten dulden. Wenn man Pech hat, entwickelt er sich zum Streuner und Wilderer, macht seine Haufen in den Garten der Nachbarn, scheucht deren Schafe und "stellt" unter Lebensgefahr vorbeifahrende Autos.

Also sollte man davon ausgehen, dass man seinen Garten einzäunen muß, wenn man seinen Hund zeitweise unbeaufsichtigt darin herumlaufen lassen will. Allerdings ist ein gewöhnlicher Gartenzaun für viele Hunde kein ernst zu nehmendes Hindernis. Hunde, die ihn respektieren, tun das meistens freiwillig - oder weil ihr umsichtiger Besitzer jeden Versuch des noch jungen Hundes, den Zaun zu überwinden, bereits im Ansatz erstickt hat und ihm so den Eindruck vermittelt hat, der Zaun sei unüberwindlich. Alle anderen Hunde klettern hinüber, buddeln sich durch, suchen Schwachstellen, an denen sie sich hindurchquetschen können oder springen einfach hinüber (1,30 m ohne aufzusetzen sind für einen sportlichen, etwas größeren Hund, der weg will, ein Klacks). Und ein Hund, der viel Zeit allein im Garten verbringt und sich langweilt, hat natürlich jede Menge Zeit und Gelegenheit, einen entsprechenden Fluchtweg auszuarbeiten.

Die dritte Sorte Hund beschäftigt sich tatsächlich auch lange Stunden allein im Garten, ohne allzu viel Verwüstungen anzurichten, und läuft auch nicht weg. Das ist doch ideal, denken Sie? Wie man’s nimmt! Denn für diese Hunde wird mit dem Erwachsenwerden der Garten tatsächlich zu einer ernsthaften Aufgabe. Die Aufgabe besteht darin, den Garten und die ganze Umgebung scharf im Auge zu behalten - und jede kleinste Bewegung lautstark zu "melden". Je länger die Zäune umso besser - an ihnen kann man auf und ab rasen und Nachbarn, Passanten, Autos, Radfahrer, andere Hunde usw. usf. verkläffen, wobei man so richtig in Rage gerät. Wer nun meint, dass das zwar sicherlich nervt, aber dem Hund doch wenigstens etwas zu tun gibt, das ihm Spaß macht, irrt sich. So ein Bewachungsjob ist nämlich durchaus auch für den Hund stressig.

Wenn Sie also zum Garten einen Hund anschaffen wollen oder jetzt gerade Ihren Welpen bekommen, sollten Sie sich nicht zu viele Illusionen machen. Um Ärger zu vermeiden, helfen folgende Tipps:

  • Wenn Sie Wert auf einen garten legen, der aussieht wie ein englischer Schloßpark, sollten Sie keinen Hund anschaffen. Gärten, die auch vo nHunden genutzt werden, sehen nie ganz perfekt gepflegt aus, auch wenn der Hund natürlich lernen kann, nicht im Rasen zu buddeln und nicht überall das Bein zu heben. Gelegentliche Kratzer oder gelbe Flecken im Rasen, ausgetretene Pfade usw. bleiben aber ganz bestimmt nicht aus.
  • Erwarten Sie nicht, dass Ihr Hund einfach so im Garten bleiben wird. Entweder brauchen Sie einen hohen und stabilen Zaun oder Sie müssen den Hund anfangs sehr gut beaufsichtigen, damit Sie sofort eingreifen können, wenn er versucht über den Zaun zu klettern oder sich drunter durch zu buddeln - so lange, bis er den Zaun als Grenze akzeptiert hat. Ganz ohne Zaun oder vorübergehende Laufleine geht es zumindest bei jungen Hunden nur selten.
  • Lassen Sie Ihren Hund generell nicht zu lange und zu oft allein im Garten, vor allem nicht, wenn er noch jung ist oder dazu neigt, zu bellen und sein Territorium zu bewachen (wie die allermeisten Hunde). Überwiegend sollte er nur längere Zeit draußen sein, wenn Sie es auch sind.
  • Wenn Sie einen Welpen oder jungen Hund haben: zäunen Sie im ersten Jahr Büsche oder Beete, die Ihnen wichtig sind, mit Drahtzaun ein und verabschieden sich mit einem Tränchen vorübergehend im Auge vom Rest. Im zweiten Sommer, wenn der Hund etwas älter und "vernünftiger" ist, wird es vergleichsweise leicht sein, ihm beizubringen, dass er die Sträucher nicht abkauen, nicht im Rasen buddeln und nicht durch die Gemüsebeete laufen darf. Wollten Sie all das schon beim verspielten Welpen durchsetzen, müßten Sie ihn den ganzen Sommer lang mit Argusaugen beobachten und hätten noch mehr Grund als sonst schon, ihm etwas zu verbieten. Sehen Sie die Sache also lieber etwas gelassen an.
  • Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Welpe den Rasen als "Klo" benutzt. Das ist im Gegenteil sehr praktisch für die Stubenreinheit, da es beim Welpen oft darauf ankommt, blitzschnell nach draußen zu kommen. Wenn der Hund erwachsen wird, wird er von selbst anfangen, lieber draußen zu machen, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt, da er auch sein Revier markieren will. Das Problem Rasenverschmutzung wächst sich also sowieso aus.
  • Falls Sie einen Teich haben: überlegen Sie bei Anschaffung des Hundes, ob er in den Teich darf oder nicht. Es mal zu erlauben und mal nicht, wird kaum durchsetzbar sein. Soll er also nicht dauernd in den Teich springen, verbieten Sie es ihm von Anfang an. Zumindest beim Welpen wird im ersten Jahr ein Zaun um den Teich überaus nützlich sein, damit er sich gar nicht erst angewöhnt, den Teich als seinen Privatpool zu betrachten. Ist es nämlich erst mal so weit gekommen, wird es äußert mühsam, dem Hund noch nachträglich zu "erklären", dass er jetzt leider nicht mehr in seinen geliebten Teich darf.


Sabine Winkler

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