Hundetrainer bündeln Qualität und Kompetenzen: Organisationen vereinbaren Kooperation

22. Februar 2013

Iris Marchner, 2. Vorsitzende des BHV, im Interview.

Potsdam, 22. Februar 2013 – Namhafte Organisationen werden ab sofort in Fragen der Qualifikation von Hundetrainern, Hundeerziehern, Verhaltensberatern und Hundeschulbetreibern gemeinsame Wege gehen. In Potsdam vereinbarten der Internationale Berufsverband der Hundetrainer/innen e. V. (IBH), die Interessengemeinschaft Unabhängiger Hundeschulen e. V. (IG-Hundeschulen), der Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater e. V. (BHV), die Akademie für Naturheilkunde AG (ATN), der Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer e. V. (VDTT) sowie das TTEAM Gilde e. V. unter beratender Mitwirkung der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie e. V. (GTVMT) eine bundesweit in dieser Form einmalige Kooperation. Ziel ist eine „Bündelung der Kräfte“, um politischen Einfluss bei der Realisierung von Zertifikaten und Anerkennungen geltend zu machen. Außerdem soll verbandsübergreifend ein einheitlich hohes Qualifikationsniveau von Hundetrainern und Menschen, die mit Hunden arbeiten, erarbeitet werden. Weitere Vorhaben beziehen sich auf die Konzipierung einer Ausbildung für Mensch-Hund-Teams, die im Rahmen tiergestützter Intervention arbeiten („Therapiebegleithunde“), und auf die Schaffung eines gemeinsamen Hundeführer-scheins/Sachkundenachweises.

„Politik und Gesellschaft fordern zunehmend sachkundige Hundehalter, um mögliche von Hunden ausgehende Gefahren im Alltag zu minimieren“, sagt Rainer Schröder, der 1. Vorsitzende des BHV. „Hundeschulen, Trainern und Verhaltensberatern kommt vor diesem Hintergrund eine bedeutungsvolle Aufgabe zu“, fügt Thomas Bierer, 1. Vorsitzender des IBH hinzu. Denn sie seien für viele Hundehalter erste Anlaufstelle, um die erforderliche Sachkunde zu erlangen und gesellschaftsfähige Vierbeiner zu erziehen. „Die Bezeichnung „Hundetrainer“ ist nicht geschützt. Für Hundebesitzer ist es somit schwer, die Ausbildungsgüte ihrer Hundeschule im Vorfeld zu beurteilen“, weiß Elke Müller, Vorsitzende der IG-Hundeschulen. Einen Schutz vor unqualifizierten Trainingsmethoden gebe es nicht. 

In der Bundesrepublik gibt es der Mars-Heimtier-Studie zufolge mehr als 2.200 Hundeschulen. Be-such von Seminaren und Workshops macht aber noch keinen verantwortungsvollen sowie tier-schutzgerecht arbeitenden Hundetrainer aus. Der BHV hat 2007 mit der Industrie- und Handels-kammer Potsdam (IHK) eine Kooperationsvereinbarung geschlossen und bietet mit der IHK den Zertifikatslehrgang „Hundeerzieher und Verhaltensberater IHK“ an. 2008 wirkte der Verband fachlich an der Aufstiegsfortbildung Hundefachwirt (IHK) bzw. Hundefachwirtin (IHK) mit, die ebenfalls an der IHK Potsdam veranstaltet wird. Die „Besondere Rechtsvorschrift“ für die Fortbildungsprüfung zum Hundefachwirt wurde am 24. September 2008 erlassen.

Das Ziel: eine hochwertige, einheitliche Ausbildung von Hundetrainern

Die Zahl der Hundeschulen und Hundetrainer in der Bundesrepublik Deutschland hat in den ver-gangenen 15 Jahren rasant zugenommen. Für diese Berufsgruppe gibt es jedoch keine einheitli-chen Ausbildungsstandards. Jeder darf eine Hundeschule eröffnen oder den ungeschützten Begriff „Hundetrainer“ für sich nutzen. Mangelnde Qualifikation und fragwürdige, tierschutzwidrige Ausbildungsmethoden bedeuten allerdings eine Gefahr. Fehler in der Hundeerziehung und bei der Arbeit mit Hundehaltern verfestigen mitunter problematische Verhaltensmuster beim Hund oder sorgen gar für Konflikte. Veraltete Ausbildungsmethoden führen nicht zum Ziel einer harmonisch intakten Mensch-Hund-Beziehung. Vor diesem Hintergrund sollen mithilfe der Verbändekooperation die Anstrengungen zur Schaffung eines einheitlichen, hochwertigen Ausbildungsberufs verstärkt und erweitert werden: Lohn dieser Bemühungen könnte eine öffentliche Anerkennung des Ausbildungsberufs „Hundetrainer“ sein.

Mit ihrer Zugehörigkeit zur Kooperation bekennen sich die Verbände zu ihrer Verantwortung für einen respektvollen und gewaltfreien Umgang mit Mensch und Hund innerhalb der Gesellschaft. „Es reicht längst nicht mehr, das Tier einzig und allein seiner Funktionalität zu unterwerfen und Hundeerziehung und -ausbildung im Spiegel einer Der-Zweck-heiligt-die-Mittel Mentalität zu betrachten“, sagt Judith Böhnke vom Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer e. V. (VdTT). Die kooperierenden Verbände eint die Anerkennung der tierlichen Würde und damit verbunden die Notwendigkeit, achtsam und wertschätzend mit dem umzugehen, was sich uns anvertraut: Menschen, Hunde und die Beziehungen zwischen ihnen. Alle Kooperationsbeteiligten haben sich als Organisationen bewährt, die für einen artgerechten, friedlichen und kompetenten Umgang mit Hunden einstehen. „Wir wünschen uns einen Schulterschluss mit Organisationen, die solche Werte nicht nur als Schlagworte in einem Leitbild benutzen, sondern deren Ausbildungs-Absolvent/innen in der Vergangenheit und Gegenwart zeigen, dass dem Anspruch auch in der praktischen Arbeit gefolgt werden kann“, betont Bibi Degn, Leiterin der TTeam Gilde e. V. in Deutschland. Die Belange von Hunden und ihren Menschen, nämlich ein Anrecht auf gewaltfreies und friedvolles Eingegliedertsein in die menschliche Gesellschaft, können von den kooperierenden Verbänden kraftvoll vertreten werden.

Ausbildung von Mensch-Hund-Teams und Hundeführerschein

Einer der Schwerpunkte in der Arbeit der Verbände-Kooperation wird sich auf die Ausbildung von Mensch-Hund-Teams für Einsätze im Rahmen tiergestützter Intervention beziehen. Die tiergestützte Intervention integriert tiergestützte Therapie, Pädagogik und Fördermaßnahmen. Sie stellt höchste Anforderungen an die Qualifikation des Hundeführers und an den einzelnen Hund. „Perfekter Gehorsam“ allein ist dabei keineswegs das Maß aller Dinge, denn der Erfolg tiergestützter Intervention hängt vorrangig von der Qualität der Beziehung ab, die zwischen „Therapie-Hund“, Hundeführer und dem Klienten entsteht. Ohne die Bereitschaft des Hundes, sich auf den/die Klienten einzulassen und ohne die Fähigkeit des Hundeführers, den Hund in seiner gesamten Persönlichkeit zu respektieren, gerät tiergestützte Intervention zu einer leeren Hülse. Von größter Bedeutung ist diesbezüglich eine tierschutzgerechte, in allen Facetten gewaltfreie Hunde-Ausbildung. In der derzeitigen Realität am Markt, wo sich jeder geneigte Hundefreund selbst zum „Therapiebegleithunde-Ausbilder“ ernennen kann, besteht hier vielfach ein eklatanter Mangel. Diesem entgegenzuwirken und sicherzustellen, dass die Mensch-Hund-Teams in der tiergestützten Intervention auf höchstem fachlichen und ethischen Niveau lernen und arbeiten können, wird eine Aufgabe sein, der sich die Verbände-Kooperation mit aller Kraft zuwendet.

Ein Projekt, das bereits in näherer Zukunft realisiert werden wird, ist die Konzeption eines gemein-samen Hundeführerscheins. Damit soll der Forderung von Politik und Gesellschaft nach sachkundigen und verantwortungsbewussten Hundehaltern und umweltsicheren, kontrollierbaren Hunden Rechnung getragen werden. Mit ihren Mitgliedern halten die kooperierenden Verbände qualifizierte Trainer und Ausbildungsstätten vor, bei denen die Hundehalter Unterstützung finden können, um sich die erforderliche Sachkunde anzueignen. Für Hundehalter, die alternativ lieber autodidaktisch lernen, wird ein entsprechendes Handbuch aufgelegt. 

Pressekontakt/ weitere Informationen:
Medienbüro Gäding
Ansprechpartner: Marcel Gäding
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