BHV-Mantrail Trainerlehrgang

31. März 2021

Nach 16 intensiven Trainingstagen ist der erste BHV-Mantrail Trainerlehrgang letzte Woche zu Ende gegangen.

Die Referent*innen durften vier Teilnehmer*innen das Zertifikat „BHV-Mantrail Trainer“ aushändigen und so kann der BHV e.V. nun auch in diesem Bereich auf qualifizierte Ausbilder hinweisen. Von der Pike auf haben die Teilnehmer*innen sowohl in Theorie als auch in der Praxis das Thema Mantrailing kennengelernt.

Was es mit Anatomie und Physiologie der Hundenase auf sich hat, wie Geruch entsteht und sich verbreitet und wie wir dem Hund auf unterschiedliche Weisen die Suche nach dem Menschengeruch erklärlich machen - wie wir als Mensch lernen, den Hund bei der Sucharbeit zu begleiten und seine Körpersprache so gut lesen zu lernen, dass Hund und Mensch über die Spurensuche letztendlich zum Erfolg – zur Suchperson - gelangen. Dabei wurden bei jedem Wetter und in jedem Gelände Kilometer zurückgelegt und Theorie vom „Schreibtisch“ in das Trailleben übertragen. Die Teilnehmer haben gelernt und gelehrt und so Ihr Wissen unter Beweis gestellt.

Was ist Mantrailing überhaupt und was macht diese Beschäftigung so spannend? 

Mantrailing hat seinen Ursprung in der Polizeihundearbeit und wird dort sowie im Rettungshundebereich professionell genutzt. Ebenso hat es aber Einzug gehalten als sportliche Beschäftigung für „nasenorientierte“ Familienhunde und als Ausgleich für jagdlich motivierte Hunde in Familienbesitz. Hier hat es – ohne die ernsthafte Notwendigkeit im Bereich der Rettungshunde- und Polizeiarbeit – deutlich den Faktor „Hundetraining mit Suchtcharakter“.

Mantrailing ist die Suche mit einem Hund nach einem ganz bestimmten Menschen anhand dessen einzigartigem und unverwechselbarem sogenannten Individualgeruch. Dieser Individualgeruch ist ein Gemisch aus abgestorbenen Zellen des Körpers, Schweiß, Gerüchen der aufgenommenen Nahrung, den Kosmetika und der Kleidung sowie den Bakterien und Pilzen, die auf der Haut leben – so entsteht für jeden Menschen ein ganz eigenes „Geruchsbild“, das der ausgebildete Hund im Bereich der höchsten Geruchskonzentration verfolgt. Als „Vorlage“ dient dem Hund der sogenannte Geruchsartikel, den er nach dem Anlegen des Geschirrs und der Suchleine zum Anriechen bekommt. Als Geruchsartikel kommen alle Gegenstände in Frage, mit der die betreffende zu suchende Person in Körperkontakt kam, z. B. Zahnbürste, Haarbürste, T-Shirt, Ohrring usw. Bodenverletzungen spielen bei dieser Form der Suche keine oder eine eher untergeordnete Rolle. Der Hund kann direkt auf der Spur arbeiten, die der Mensch gegangen ist oder auch entfernt davon. In der Regel arbeitet der Hund dort, wo die höchste Geruchszellenkonzentration vorliegt. Das wiederum ist abhängig von Wetterlage, Gelände und individuellen Präferenzen des Hundes. Im Gegensatz zur klassischen Fährtenarbeit kann sich der Hund also von der Spur entfernen. Ebenso ist die Nasenhaltung unterschiedlich, je nach Veranlagung des Hundes und abhängig von der Spur. Beim Mantrailing schließt der Hund alle Spuren von anderen Personen aus bis zum Auffinden der Person, von der er den Geruchsartikel erhalten hat. Dies kann der Hund auch, wenn die Person reitet, Fahrrad fährt oder von einer anderen Person getragen wird. Unter bestimmten Umständen kann der Hund die Spur auch finden, wenn die Person im Auto gefahren ist.

Mantrailing ist in fast jeder Umgebung möglich, auch in der Stadt – und bei fast jedem Wetter. Der Hund ist nach entsprechender Ausbildung in der Lage, dem Hundeführer anzuzeigen, wenn eine Person z. B. in einen Zug oder Bus eingestiegen ist und die Spur also „endet“ oder wenn die Person sich nicht an dem Ort aufgehalten hat, an dem die Suche startet.

Diese hervorragenden Fähigkeiten der Hunde und endlose Variationsmöglichkeiten in der Ausbildung und Ausarbeitung sind es, die diese Form der Arbeit so faszinierend und abwechslungsreich machen. Da die Hunde an der Leine arbeiten, ist auch eine Beeinträchtigung anderer Personen oder von Wild weitgehend auszuschließen – selbstverständlich ist im Hobbybereich das Betreten von Privatgelände oder das Verlassen der Waldwege nur nach Absprache möglich.

Für welche Hunde und Menschen ist diese Sportart eine geeignete Beschäftigung?

Grundsätzlich ist jeder Hund geeignet und entwickelt in der Regel enorme Freude bei dieser Arbeit, denn alle Hunde – mit wenigen Ausnahmen – haben einen hervorragenden Geruchssinn und lassen sich in der Regel für „Nasenarbeit“ begeistern. Vor allem für Jagdhunde ist diese Sportart eine sinnvolle Beschäftigung, sie wurden für das Auffinden und Verfolgen von Spuren gezüchtet. Jedoch finden Hunde aller Rassen Spaß an dieser Arbeit. Es ist eine gut geeignete Beschäftigungsmöglichkeit für Hunde, die bei anderen Sportarten, bei denen viel und schnelle Bewegung gefragt ist, Probleme mit einem zu hohen Erregungslevel haben. Diese können bei entsprechend ruhiger Anleitung gut im Mantrailing arbeiten, da die hier geforderte Konzentration und eine moderate und kontrollierte Bewegung in der Regel das Erregungslevel nicht so hoch ansteigen lassen.

Ein großer Vorteil des Mantrailing ist, dass es eine Sportart ist, die auch Hunde betreiben können, die körperliche Handicaps haben oder aufgrund ihres Alters nur eine kurze Zeitspanne beschäftigt werden können. Von Welpe an bis ins hohe Alter – der Hund bestimmt das Tempo in der Suche wesentlich, und auch ein Hund mit gewissen körperlichen Einschränkungen kann in aller Ruhe suchen gehen! Der eine oder andere Hund verlangt seinem Besitzer am Ende der Suchleine körperlich große Leistungen ab, denn beim Sucheinsatz entwickeln manche Hunde eine beachtliche Geschwindigkeit und Körperkraft! Je nach Hund muss man da ganz schön fit sein – denn häufig geht es sprichwörtlich über Stock und Stein! Aber auch hier lassen sich die Anforderungen an das Team anpassen.

An die Besitzer werden außer der Fitness noch andere Ansprüche gestellt: Kenntnisse über die Ausbreitung des Geruchs bei jeder Wetterlage sowie Orientierung im Gelände sind unabdingbar, das Lesen und die Interpretation der Körpersprache des Hundes, um zu erkennen, wann er die Spur arbeitet oder etwas anderes tut sowie die Bereitschaft, den Fähigkeiten des Hundes zu vertrauen und ihm bei dieser gemeinsamen Arbeit die Führung zu überlassen. Wie bei allen Formen der Nasenarbeit wird hier das selbstständige Arbeiten des Hundes gefördert – dies muss der Besitzer allerdings auch zulassen.

Bei eher ängstlichen und unsicheren Hunden kann dies zu einer Steigerung der Sicherheit führen, wenn die Trails sorgsam aufgebaut sind und keine Überforderung darstellen.

In der sportlichen Ausbildung des Mantrailhundes ist der Weg das Ziel – im wahrsten Sinne des Wortes! In vielen abwechslungsreichen Suchen mit nahezu endlos unterschiedlichen Varianten können wir zusammen mit dem Hund dieses Suchspiel immer wieder von neuem starten – angepasst an alle Beteiligten. Dann wird der Hund immer wieder bereit sein, dieses Spiel auch unter großer Ablenkung oder unter Schwierigkeiten mit uns zusammen zu spielen. Dann tut sich die Faszination dieser Beschäftigung mit dem Hund auf, bei dem er eine Arbeit leisten kann, die uns immer wieder staunen macht – und dies in der Regel mit einer nicht enden wollenden Begeisterung. Eine Zusammenarbeit mit gesundem Suchtfaktor!

Der zweite Lehrgang ist bereits in Planung! Wir informieren zeitnah über die neuen Termine.

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