Mythos: Kleine Hunde sind Kläffer!

„Immer diese kleinen Kläffer!“ – „Ihr Dackel hält sich wohl für Napoleon!“ – „Denkt Ihr Chihuahua, er sei ein Rottweiler?“ Habt Ihr solche und ähnliche Sätze auch schon gehört?

Oder es gar selbst schonmal gedacht, weil Euer kleiner Hund bei Hundebegegnungen so gar nicht süß ist, sondern schreiend in der Leine hängt?

Kleine Hunde bellen gefühlt mehr als größere Hunde, das heißt, sie fangen schneller an und halten sich länger dran. Was ist denn dran am Mythos des ewig kläffenden Kleinhundes?

1. Genetische Faktoren
Man nennt es Napoleon-Komplex, dass kleine Individuen einer Spezies kampflustiger sind und sich stärker durchsetzen wollen als große. Das ist eher Legende und weder bei Menschen wissenschaftlich bewiesen, noch auf Hunde übertragbar.
Forscher haben jedoch den Wachstumsfaktor IGF1 identifiziert, der das Größenwachstum maßgeblich beeinflusst. Demnach sind kleine Hunderassen schon sehr früh in der Evolution entstanden. Eine geringe Konzentration an IGF1 bewirkt eine verminderte Körpergröße, hat jedoch ebenso Auswirkungen auf die Gesundheit und die Persönlichkeit. Die Persönlichkeitsmerkmale Kühnheit und Wagemut sind stärker ausgeprägt. Dadurch sind kleine Hunde leichter erregbar, neurotischer und tollkühner als größere Hunderassen.

2. Lernerfahrung
Hunde streben wie alle Lebewesen nach Selbstbestimmtheit und Kontrolle über ihren Zustand. Sie möchten wissen, was auf sie zukommt und einer Situation nicht hilflos ausgeliefert sein. Bei kleinen Hunden nimmt man Grenzen leider oft nicht wahr.
Sei es, dass man sich zum Streicheln unwillkürlich über sie beugt, was auf hündisch erstmal eine Bedrohung darstellt; sie übersieht und zufällig auf die Pfoten tritt; heranwachsende Hunde sie anpöbeln oder man über das lustige Knurren schmunzelt. Mit einem kleinen Hund kann man das ja machen! Ein Hund hat in einem Konflikt vor allem 2 Möglichkeiten: Die Flucht ergreifen oder auf Angriff gehen. Lernt der Hund, dass meiden und ausweichen keinen Erfolg hat, wird er aggressives Verhalten zeigen. Steif werden, knurren, bellen, schnappen, beißen etc. Der kleine Hund reagiert nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Und bei jeder schlechten Erfahrung lernt der Hund dazu, dass es sich für Ihn lohnt, aggressives Verhalten zu zeigen.

3. Erziehung
Studien belegen, dass Kleinhundehalter ängstlicher und besorgter um ihre Fellkinder sind. Kleine Hunde haben häufig weniger Freilauf und weniger Hundekontakt. In Hundebegegnungen werden sie auf den Arm genommen und lernen so nicht, mit Artgenossen auf hündische Art zu kommunizieren. Natürlich ist es richtig, seinen Hund im Ernstfall zu schützen, aber es ist ein schmaler Grat zwischen schützen und verhätscheln.  Es ist also unerlässlich, auch seinen kleinen Hund zu einem sozial verträglichen und umgänglichen Begleiter zu erziehen.

Den Mythos „Kleine Hunde brauchen keine Erziehung“ schauen wir uns in Teil II genauer an…

Jana KreetZur Autorin:

Jana Kreet ist Zertifizierte Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin IHK/BHV.

Mich faszinieren kleine Hunde seit vielen Jahren und so war es nur logisch, mich immer intensiver mit den Kleinen zu beschäftigen! Besonders das artgerechte Training und der entspannte Alltag von Mensch und Hund stehen für mich im Vordergrund. Daneben liebe ich auch, Mensch und Hund durch tolle Beschäftigungsmöglichkeiten wie Tricks oder Nasenarbeit immer mehr zum Team werden zu lassen! Hundetraining macht Spaß und genau das führt zu schnellem Erfolg!

www.kleinhundeschule.de

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