Mythos: Ein alter Hund lernt nichts mehr.

Unser Gehirn ist lange nicht so starr, wie wir das früher gedacht haben. Es kann sich lebenslänglich anpassen. 

Das gilt sowohl für uns Menschen, als auch für alle Säugetiere, also auch für unseren Haushund. Nervenzellen werden erneuert oder abgebaut, Verbindungen zwischen Neuronen verändern sich, auch die Durchblutung der verschiedenen Hirnteile ist nicht starr. Demnach ist Lernen auch lebenslänglich möglich. Biologisch ist das Ganze auch sinnvoll, muss sich doch der Organismus auf eine sich wechselnde Umwelt anpassen: z.B. ziehen wir mit unserem Vierbeiner in ein neues Zuhause oder der Gesundheitszustand ändert sich, muss der Körper sich mit den neuen Gegebenheiten auseinandersetzen. Das geht nur, wenn sich das Gehirn anpasst - und nichts anderes ist Lernen.

Natürlich gibt es Zeitfenster, in denen Lernen deutlich schneller geht als beim in die Jahre gekommenen Hund. Aber: es geht, vorausgesetzt das Tier ist seinem Alter entsprechend gesund.

Ähnlich wie bei uns Menschen gibt es auch beim Hundesenior eine Erkrankung, die der Demenz des Menschen ähnlich ist: die kognitive Dysfunktion. Zugegeben, hier wird Lernen nicht mehr gut funktionieren und das Gehirn befindet sich eher in einem Abbau, als in einem Umbauprozess.

Ansonsten gilt auch beim Hund: Wer rastet, der rostet.

Es ist enorm wichtig, dem Hundegehirn weiterhin Input zu geben! Und das gilt übrigens auch für Hunde, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Um das Gehirn im Gange zu halten, die Sinnesorgane weiter zu fordern, benötigt das Gehirn Input. Wenn man nicht mehr zu Fuß unterwegs sein kann, dann wird der Hundesenior eben im Hundebaggi Gassi gefahren und er darf entscheiden, wo er aussteigen darf und Umwelterkundung zeigt.

Auch der Geruchssinn kann beim alten Hund in Mitleidenschaft gezogen werden, mit vielen Problemen, die diese Veränderung mit sich bringt: Unsere Vierbeiner sind stark geruchlich unterwegs, funktioniert dieser Sinn nicht mehr gut, hat es weitreichende Folgen für den Hund. Ängste können sich entwickeln, da er die Umwelt nicht mehr riechen kann. Mit dem Geruchssinn verändert sich auch der Geschmackssinn. Viele alte Hunde fressen nicht mehr gut. Das kann fatal sein! Futtersuchspiele schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie halten den Geruchssinn aktiv und damit auch den Appetit. Außerdem wird Umwelterkundung stimuliert. Umwelterkundung und Bewegung führen zu einer Dopamin-Ausschüttung. Und Dopamin macht gute Laune!

Es ist enorm wichtig, den Hundesenior artgerecht zu beschäftigen: Was sind seine favorisierten Verhaltensweisen? Was macht er gerne?

Wenn er für sein Leben lang gerne mit dem Ball gespielt hat, dann macht es wenig Sinn, das einzustellen, nur um den Bewegungsapparat zu schonen. Wir nehmen dem Hund Lebensqualität.
Besser wir passen das Spiel auf den Gesundheitszustand an: Weniger Würfe, eher ein Suchen nach dem Ball… das schafft Gehirnjogging und hält den Hund fit und agil. Bedürfnisgerechte Beschäftigung ist unerlässlich zur Erhaltung des emotionalen Wohlbefindens.

Zu guter Letzt ist klar: Ohne eine angepasste Schmerzmedikation werden unsere Möglichkeiten eingeschränkt sein, den Hund fit zu halten. Schmerzen sind ein riesen Stressor und haben demnach einen negativen Effekt auf die Lernbereitschaft.

Fazit: Wenn ich den Hund körperlich und geistig aktiv halte, auf eine Schmerzreduktion achte, wird dem Lernen auch im hohen Alter nichts im Wege stehen.

 

Katrin VoigtZur Autorin:

Dr. med. vet. Katrin Voigt ist Tierärztin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. Seit 2006 führt sie eine rein verhaltenstherapeutische Tierarztpraxis für Hunde. Einige Jahre später sind noch die Gebiete Physiotherapie und Osteopathie dazugekommen. Immer auf der Suche nach Wissen begann sie im Januar 2019 die CumCane®- Ausbildung bei Dr. Ute Blaschke-Berthold.

Weiterhin ist sie für den BHV e.V. Dozentin und Prüferin im Zertifikatslehrgang Hundeerzieher/in und Verhaltensberater/in IHK.

Tierarztpraxis für Verhaltenstherapie und physikalische Therapie https://drkatrinvoigt.de

 

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