Vom Welpen zum Junghund - Teil 3

Das neue Familienmitglied ist nun schon ein paar Wochen im Haushalt und hat sich bereits gut eingelebt. Es kennt seine Umgebung, weiß, wo es schlafen soll und wo der Wassernapf steht, und hat sich mittlerweile mit allen Familienmitgliedern angefreundet.

Es kennt den Tagesablauf und wird langsam stubenrein. Wie Sie das Großwerden Ihres Hundes unterstützen können, beschreibt Claudia Rieker im dritten und letzten Teil unserer Serie.

Allmählich wird der kleine Hund selbstständiger, folgt dem Menschen nicht mehr auf Schritt und Tritt und erkundet seine Umwelt auf eigene Faust. Vielleicht kann er bereits auch ein paar Minuten alleine bleiben (je nach Trainingsstand und wie intensiv geübt wurde). Er verliert langsam das Welpenhafte und entwickelt sich zu einem schlaksigen Junghund, bei dem die Proportionen manchmal nicht zu passen scheinen. Die Wachstumsschübe merkt man meist am zu engen Geschirr, manchmal scheint der Hund über Nacht einen Schuss gemacht zu haben.

Fotolia 58603355Foto: CNF stock.adobe.comZahnwechsel

Zwischen dem 4. und ca. 7. Monat findet der Zahnwechsel statt. Der Zeitpunkt ist abhängig von der Rasse, gemeinhin kann man sagen, dass kleinere Rassen die Zähne früher verlieren als große Rassen. Der Zahnwechsel geht meist unkompliziert vonstatten. Manchmal findet man ein Zähnchen, aber in den meisten Fällen werden sie verschluckt. Während des Zahnwechsels kann es zu Fressunlust kommen, besonders wenn Trockenfutter gefüttert wird. Das liegt daran, dass der Zahnwechsel, ähnlich wie bei uns Menschen, Schmerzen verursachen kann. Auch dass der Hund schlapper ist oder etwas krank wirkt, ist normal. Hunde im Zahnwechsel haben unter Umständen ein erhöhtes Kaubedürfnis. Bevor also Ihre Stuhl- und Tischbeine dran glauben müssen, ist es sinnvoll, dem Hund ausreichend Nagematerial zur Verfügung zu stellen. Manche Hunde mögen es, an gefrorenen Baumwoll-Tauen zu kauen. Das kühlt und hilft gegen eventuelle Schmerzen. Der Zahnwechsel geht eigentlich ziemlich schnell vorbei. Bei kleinen Rassen kommt es allerdings manchmal zu Doppelzähnen. Der Milchzahn sitzt noch fest im Kiefer, während der neue Zahn sich danebenschiebt. Dies sollte man gut beobachten, denn es kann zu Zahnfehlstellungen kommen. Manchmal hilft es, immer mal wieder an dem Milchzahn zu wackeln. Wenn der Zahn partout nicht ausfallen will, kann man seinen Tierarzt fragen.

Bindung aufbauenBabyLuFoto: Julia Sulzer

Ihr Hund soll lernen, dass er Ihnen vertrauen kann. Viele Dinge sind für den Vierbeiner anfangs vielleicht gruselig. Helfen Sie Ihrem Hund dabei, die Situation in seinem Tempo zu beurteilen und zu bewältigen. Hier kommt es auch auf den Charakter an, es gibt die Vorsichtigen, die immer ein wenig länger brauchen, und die Mutigen, die sich jeder neuen Situation ohne Zögern stellen. Hier ist es wichtig, den Hund nicht zu zwingen. Vielleicht findet Ihr Hund das Wackelbrett in der Welpenstunde unheimlich, während ein anderer fröhlich draufhüpft . Nehmen Sie sich die Zeit und ermutigen Sie Ihren Hund, es auch zu versuchen.

Manchmal hilft es, das Ganze mit einem Leckerchen „schmackhaft “ zu machen. Wenn Ihr Hund den Mut findet, freuen Sie sich mit ihm gemeinsam über seinen Erfolg. Das stärkt das Selbstvertrauen. Auch im Alltag ist es sinnvoll, solche Situationen zu üben, z. B. das Laufen über ein Gitter, eine wackelige Brücke, das Überqueren eines Baches, das Treppensteigen. Auch sollten Sie Ihrem Hund beibringen, sich von Ihnen tragen und überall anfassen zu lassen. Bieten Sie ihm Schutz, wenn er es braucht.

Gemeinsames Kuscheln tut Ihnen und Ihrem Hund gut. Beim Streicheln wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Allerdings sollten Sie Ihren Hund immer „fragen“, ob er gestreichelt werden möchte. Streicheln Sie ihn ein paar Mal und nehmen Sie dann die Hand weg. Wenn er sich umdreht und geht, lassen Sie ihn. Wendet er sich Ihnen zu oder stupst Sie mit der Nase oder Pfote an, machen Sie weiter.

Ruheplatz

Unsere Hunde sind Experten im „Chillen“ und Ausruhen. Wenn gerade nichts los ist, liegen sie im Körbchen oder auf sonst einem gemütlichen Platz und dösen oder ruhen. Das ist völlig normal. Bis zu 18 Stunden täglich verdösen oder schlafen die Hunde. Besonders Welpen brauchen, genau wie kleine Kinder auch, Ruhe. Wichtig ist, dass der Hund einen Platz hat, an den er sich zurückziehen kann, mit dem Wissen, dass er nicht gestört wird. Das kann das Körbchen sein oder eine Box. Manche Hunde wählen ihren Platz selber, und wenn dieser Platz nicht ge-rade da ist, wo man ständig über den Hund stolpert, sollte man ihm das auch erlauben. Eine Regel sollte sein, dass der Hund dort auch wirklich in Ruhe gelassen wird, also nicht ständig jemand den Hund anspricht, ihn streicheln oder mit ihm kuscheln möchte. Gerade wenn man kleine Kinder im Haus hat, sollte man dafür sorgen, dass der Hund die Möglichkeit hat, sich in ein Zimmer oder seine Box zurückziehen zu können, wo kleine Kinder keinen Zugang haben. Größeren Kindern kann man sehr gut erklären, dass der Hund in Ruhe gelassen werden soll.

Texi HankFoto: Julia SulzerPubertät

Auch Hunde kommen in die Pubertät. Sie machen, wie wir Menschen, eine ähnliche Entwicklung durch. Das Einsetzen der Pubertät und die Dauer hängen stark von der Rasse ab. Hier gibt es die Tendenz, dass kleine Rassen früher reifen, während die größeren Rassen eher Spätentwickler sind. Mit der Pubertät beginnt ein „Umbau“ im Gehirn, die Strukturen ändern sich, neue Verknüpfungen werden hergestellt, nicht gebrauchte werden gelöst. Der Körper verändert sich und die Hormone „spielen verrückt“. Die Hormone Testosteron und Östrogen werden vermehrt produziert und leiten die Geschlechtsreife ein. Der Welpe verliert seinen „Babyduft “ und aus dem flauschigen Welpenfell entwickelt sich das robustere Haarkleid des erwachsenen Hundes. Aus dem tapsigen Welpen wird ein Junghund. Der Hund entdeckt das andere Geschlecht und beginnt, sich dafür mehr zu interessieren als für den Menschen. Der Rüde fängt an zu markieren und bei der Hündin stellt sich der Körper auf die erste Läufigkeit ein. Vielleicht entdeckt der ein oder andere Vierbeiner nun auch, dass seine Nase hervorragend geeignet ist, Wild aufzuspüren, und fängt an, das Jagen für sich zu entdecken. Der Umgang mit Artgenossen verändert sich. Zum einen, weil der Junghund nun anfängt, nach Hund zu riechen und für den anderen Hund eventuell zum Rivalen wird, zum anderen, weil er unter Umständen zu übermütig wird. Was erwachsene Hunde bislang mit stoischer Gelassenheit ertragen haben, führt ab und an nun dazu, dass es zu Reibereien kommt. Gerade im Mehrhundehaushalt sollte man ein Auge darauf haben, ob sich die Beziehung verändert, und gegebenenfalls einschreiten, wenn die Zickereien zu heftig werden. Manche Menschen stehen dann entsetzt da und können gar nicht begreifen, dass aus ihrem süßen Welpen plötzlich ein rüpelhafter Flegel geworden ist, dabei ist es nicht so, dass der Hund nun die Weltherrschaft an sich reißen möchte, wenn er seine Grenzen testet. Das ist ganz natürlich und kein Grund zur Sorge. Hier heißt es, konsequent bleiben, die Regeln weiter aufrechterhalten und dem Hund möglichst eine Struktur geben. Das gibt Sicherheit.

Fellpflege

Je nach Rasse ist nun eine aufwändigere Fellpflege nötig, da gerade langhaarige Rassen in dieser Zeit enorm zum Verfilzen neigen. Am besten haben Sie den Welpen beim Einzug schon gleich mit Kamm und Bürste bekannt gemacht und ihn an das tägliche Bürsten gewöhnt. Züchter von Langhaarhunden stehen ihren Kunden gerne in dieser Zeit zur Seite, zeigen den Umgang mit dem richtigen Werkzeug und legen auch mal Hand an, wenn es nötig wird. Ist der Züchter zu weit weg oder bietet diesen Service nicht an, fragen Sie in Ihrer Hundeschule nach. Vielleicht kennt ein Trainer sich aus oder kann Ihnen zumindest einen guten Hundefriseur empfehlen. Wichtig ist, die Fellpflege nicht zu vernachlässigen und sich rechtzeitig Hilfe zu suchen, wenn man dem Filz nicht mehr Herr wird.

Hundeschule und Training

Viele Hundeschulen bieten für Hunde, die dem Welpenalter entwachsen sind, nun Junghundegruppen an. Hier sind die „Halbstarken“ unter sich und es wird mehr Zeit auf Übungen gelegt als auf das gemeinsame Spiel. Es kann eine anstrengende Zeit sein. Manchmal hat man den Eindruck, der Hund hätte von heute auf morgen alles vergessen, was wir bisher erarbeitet haben. Die Kreise im Freilauf werden größer und das Heranrufen klappt eventuell nicht mehr ohne Weiteres. Das ist ganz normal und geht vielen Hundebesitzern so. Eine Kundin sagte mal: „Ich habe den Eindruck, mein Hund ist plötzlich dumm geworden.“ Aber nur weil etwas nicht mehr so gut klappt, heißt es nicht, dass man nicht weiter daran arbeiten soll. Es hält sich immer noch das Gerücht, dass der Hund in dieser Zeit nichts lernen kann und man die Erziehungsarbeit für den Zeitraum der Pubertät einstellen sollte. Vielleicht fällt es dem Hund schwerer, sich zu konzentrieren, hier sollte man dann sein Training anpassen und sich vielleicht eine Zeitlang mit weniger zufriedengeben. Aber das Training komplett einzustellen wäre kontraproduktiv. Wenn einige Sachen hakeln, dann hilft es, diese Zeit mit Management-Maßnahmen zu überbrücken. Wenn der Rückruf z.B. nicht mehr zuverlässig funktioniert, ist eine Schleppleine hilfreich. So hat der Hund noch einen ausreichend großen Aktionsradius, ist aber trotzdem noch über die Leine mit dem Menschen verbunden. Gerade in dieser Zeit sind Geduld und Gelassenheit ein großer Vorteil. Und einen Trost gibt es: Die Pubertät beim Hund geht schneller vorbei als bei uns Menschen.

Claudia RiekerZur Person

Claudia Rieker ist als Trainerin in der Hundeschule Schnüffelnase in Winnenden tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf Erziehungskursen für Hunde jeglichen Alters. Zu sehen, wie aus Mensch und Hund ein Team fürs Leben wird, findet sie immer wieder spannend. In ihrer Freizeit ist sie am liebsten mit ihren beiden Hunden, Rumo und Rala, in der Natur unterwegs. 2015 hat sie ihre Weiterbildung mit dem IHK-Zertifikat „Hundeerzieher und Verhaltensberaterin IHK|BHV“ abgeschlossen und ist seitdem Vollmitglied im BHV.

 

 

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