Ein Welpe zieht ein - Teil 2

Sie haben sich für einen Welpen entschieden und er darf bei Ihnen einziehen. Und plötzlich ändert sich das Leben. Worauf Sie vorbereitet sein sollten und wie Sie Problemen vorbeugen können, erfahren Sie hier.

Die Wohnung vorbereiten

Überlegen Sie gemeinsam mit der Familie, wo der Welpe schlafen soll. In der Regel ist es sinnvoll, für die Nächte einen sogenannten Zimmerkennel zu nutzen. Dieser sollte groß genug sein, dass der Hund entspannt liegen kann, jedoch klein genug, um sicherzustellen, dass er sich meldet, wenn er mal muss. Darf der Hund auf das Familiensofa? Wo soll er sich hauptsächlich aufhalten und ist dieser Bereich der Wohnung auch sicher für einen Welpen? Achten Sie auf Stromkabel, Zimmerpflanzen, Dekoartikel, die in Reichweite des Welpen stehen, und alles andere, was auf keinen Fall angenagt werden soll. All diese Dinge müssen aus der Reichweite des Welpen entfernt oder gesichert werden. Die Verwendung eines Welpenauslaufs bietet Vorteile, wenn Sie den Welpen mal nicht beaufsichtigen können. Dies sollte jedoch keine Daueraufbewahrung sein.

Der Einzug

Sicher haben Sie den Welpen bereits beim Züchter besucht, idealerweise sogar mehrfach, und Sie konnten sich bereits kennenlernen. Sie haben mit dem Züchter den Tag der Übernahme vereinbart und alle Familienmitglieder fiebern dem Termin entgegen. Sie haben die Abholung gut geplant und sich für die ersten Tage der Eingewöhnung Urlaub genommen. Der Welpe wird sich wahrscheinlich alleine im Kofferraum Ihres Autos nicht wohlfühlen, daher sollte Sie eine zweite Person begleiten. So kann einer von Ihnen fahren und der andere setzt sich mit dem Welpen auf die Rückbank. Halten Sie eine Decke oder ein Handtuch und Papiertücher bereit. Auf der Decke oder dem Handtuch kann der Welpe sitzen und wenn ihm in der Aufregung ein Malheur passiert, landet es nicht auf dem Rücksitz oder Ihrer Kleidung. Vielen Welpen gefällt die erste Autofahrt ohne Mama und Geschwister überhaupt nicht. Daher rechnen Sie damit, dass er das auch stimmlich ausdrückt oder sich vielleicht sogar übergeben muss.

Die ersten Tagepuppies 1871260

Zuhause angekommen kann der Welpe zunächst erst einen Raum kennenlernen. Diesen haben Sie im Vorfeld – wie oben erwähnt – bereits „welpensicher“ gemacht. Dort findet der Welpe seinen Wassernapf, seinen Schlafplatz und hoffentlich das für den Welpen beschaffte und bereitgelegte Spielzeug. Sinnvoll ist es auch, Kauartikel zur freien Verfügung zu stellen, damit der Welpe sein Bedürfnis zu kauen befriedigen kann, ohne ein Stuhlbein anzunagen. Es ist nicht sinnvoll, dass der Welpe in den ersten Tagen von Freunden und Verwandten besucht wird – lassen Sie ihm ein paar Tage Zeit, um sich einzugewöhnen. Er hat ausreichend mit der Anpassung an sein neues Zuhause und mit der Trennung von Mutter und Geschwistern zu tun. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr neues Familienmitglied in den ersten Tagen anders ist, als sie ihn beim Züchter kennengelernt haben. Der Umzug ist ein großer Schritt im Leben eines Welpen, der verarbeitet sein will. Ängstliche und selbstbewusstere Phasen wechseln sich in den ersten Wochen ab – das ist normal. Nehmen Sie sich Zeit und seien Sie einfach da. Bieten Sie Ihre Nähe an, ohne den Welpen zu bedrängen. Gemeinsames Liegen auf dem Boden oder Sofa stärkt das Vertrauen des Welpen in seine neuen Menschen. Je nach Temperament des Welpen – hier sind starke Unterschiede auch innerhalb eines Wurfs völlig normal – können Sie nach einigen Tagen beginnen, die Umwelt des Welpen schrittweise zu vergrößern.

puppy 1726414Die Welt da draußen

Wenn Sie von langen Spaziergängen mit dem neuen Familienmitglied geträumt haben, werden Sie noch warten müssen. Ein Welpe sollte noch keine langen Spaziergänge machen – und will es auch gar nicht. Welpen entfernen sich ungern weit von ihrer Höhle. Die Welt da draußen ist groß, laut und voller Dinge, die der Welpe noch nicht kennt. Da ist es sicherer, sich einfach nur so weit rauszuwagen, wie der Welpe es ohne Zögern mitmacht. Keine Angst, Sie werden nicht 15 Jahre lang an der Ecke wieder umkehren müssen – die Neugier, die Welt zu erkunden, kommt ganz von alleine.

Grundsätzlich sollten Sie sich keine Sorgen machen, bei der soge-nannten Sozialisierung etwas zu verpassen – auch wenn Sie nicht jeden Tag mit einem Programm füllen. Zeigen Sie dem Welpen in kleinen Schritten die Welt, in der er später leben wird. Konkret müssen Sie also nicht täglich in die Großstadt fahren, um dort den Welpen am Bahnhof spazieren zu führen, wenn Sie eher ländlich leben. Der Welpe soll lernen, dass er mit Ihnen gemeinsam Situationen meistern kann. Weniger ist hier oft mehr – gerade bei der Umweltgewöhnung von Welpen. Der Grundsatz heißt: „Bringe den Welpen einmal am Tag zum Staunen.“ Staunen heißt, der Welpe betrachtet die Situation aufmerksam, will aber nicht flüchten. Wenn es dazu kommt, war es zu viel des Guten. Welpen bleiben oft stehen oder setzen sich an den unpassendsten Stellen. Geben Sie ihm die Zeit, sich alles in Ruhe anzuschauen, denn offenbar ist es spannender, als wir uns vorstellen können.

Besuch beim Tierarzt

Der erste Besuch in der Hundeschule sollte erst nach einer Eingewöhnungsphase von 5-7 Tagen stattfinden. Bis dahin sollten Sie die Zeit nutzen und dem Welpen die Tierarztpraxis zeigen. Optimal ist es, wenn Sie dort mehrere Besuche machen können und er den Behandlungstisch kennenlernt, ohne dass irgendetwas passiert – außer vom ganzen Personal verwöhnt zu werden. Das ist eine günstige Gelegenheit, mit dem Tierarzt die weiteren Impftermine zu besprechen. Ihr Hund soll im Idealfall viele Jahre vertrauensvoll mit Ihnen in die Praxis gehen, daher ist diese Zeit des Kennenlernens sinnvoll investiert.

Alle Pfoten auf dem Boden

Sind wir ehrlich, wer kann schon beim Anblick kleiner tapsiger Welpen dem Drang zu streicheln widerstehen. Dabei lernen Welpen sehr schnell, die Menschen durch anspringen zu begrüßen – oft ermutigt durch nette Nachbarn oder Passanten, die das sehr niedlich finden. Allerdings nur, solange der Welpe noch klein und drollig ist. Dass er aber in zwei Monaten doppelt so groß ist und auch deutlich schwerer und dann auch noch schmutzige Pfoten hat, sehen sie nicht voraus. Daher wirken Sie dem Anspringen entgegen, indem Sie den Welpen mit der Leine sichern, auf genügend Abstand zum Gegenüber achten und den Hund für das ruhige Stehen belohnen.

Begegnungen mit MenschenBabyLu

Überhaupt sind Begegnungen mit fremden Menschen für viele Welpen sehr aufregend. Dies äußert sich – wiederum je nach Temperament Ihres Welpen – darin, dass sie direkt und offensiv den Kontakt mit dem neuen Menschen suchen. Wenn das für den fremden Menschen in Ordnung ist und der Welpe sich offensichtlich dabei wohl fühlt, dann freuen Sie sich über den positiven Menschenkontakt. Oft verlaufen diese Begegnungen aber nicht so unproblematisch, sondern der Welpe springt sehr aufgeregt immer wieder an den Menschen hoch oder aber duckt sich ganz tief ab und drückt sich auf den Boden, oft auch mit Urinabsatz. All das sind Zeichen dafür, dass der Hund mit dem Kennenlernen des fremden Menschen gerade überfordert ist und hier sollten Sie unterstützen. Helfen Sie Ihrem Hund. Erklären Sie freundlich, aber bestimmt, dass der Welpe bitte nicht angefasst werden soll. Wenn der Hund von sich aus Kontakt aufnimmt, dürfen Sie ihn gerne belohnen. Bitte geben Sie die Belohnung nah bei sich – nicht nah an dem fremden Menschen, das würde den Welpen wieder überfordern, weil er sich dem Fremden hierfür wieder annähern muss.

Die Sache mit dem Müssen

Das Stubenreinwerden ist, je nach Jahreszeit und Wohnsituation, mehr oder weniger anstrengend. Egal ob Sie einen eigenen Garten besitzen oder nicht, Sie sollten einen ruhigen Bereich finden, in dem sich der Welpe lösen kann. Welpen müssen sich oft lösen, die Kontrolle der Blase funktioniert noch nicht so gut. Nach dem Essen, nach dem Schlafen, nach dem Spielen sollte er zum Löseplatz gebracht werden – und wenn Sie merken, dass der Welpe die Nase suchend nach unten nimmt oder hinter einer Ecke verschwinden möchte. Manchmal ist es sogar notwendig, den Welpen an die Leine zu nehmen, damit er die Zeit nicht mit Schnuppern oder Spielen verbringt, um sich dann nach der Rückkehr in die Wohnung zu lösen. Wenn der Hund sich löst, dürfen Sie ihn überschwänglich loben und ihm gerne ein Leckerchen geben. Sollte doch einmal ein Unfall in der Wohnung passieren, dann wischen Sie es kommentarlos weg und seien Sie noch aufmerksamer.

AlexAlfiFreilauf

Auf den kurzen Spaziergängen sollte der Welpe Gelegenheit haben, frei zu laufen – wenn keine Gefahr in der Nähe droht. Welpen folgen dem vertrauten Menschen in der Regel zuverlässig, man kann sie kaum verlieren. Wenn der Welpe aus freien Stücken auf Sie zuläuft, loben Sie ihn. Gerne können Sie auch das Zurückkommen mit ganz besonderen Leckerchen belohnen. Sollte sich der kleine Hund einmal festschnüffeln, dann lassen Sie ihm die Zeit. Schnüffeln ist ein normales Verhalten für Hunde und hilft ihnen, ihre Umwelt zu erkunden. Bei Hundebegegnungen sollten Sie den Welpen grundsätzlich mit der Leine sichern. Nicht jeder erwachsene Hund ist einer Welpen-Bekanntschaft gegenüber aufgeschlossen. Dabei sollten Sie den Welpen schon an die Leine nehmen, wenn Sie sehen, das angeleinte Hunde entgegenkommen. Grundsätzlich sollten Sie sich mit dem Gegenüber verständigen, ob Kontakt mit dem Welpen gewünscht ist und der erwachsene Hund mit Welpen geduldig und umsichtig ist. Bitte seien Sie kritisch bei der Auswahl der Spielpartner Ihres Hundes, hier geht Qualität vor Quantität.

Allein bleiben

Auch das Alleinebleiben muss der Welpe lernen. Selbst wenn Sie nicht berufstätig sind oder den Hund mit ins Büro nehmen können, wird es immer Situationen geben, in denen der Hund allein bleiben muss – und dazu ist Training erforderlich. Dabei ist Einfühlungsvermögen gefragt. Es macht keinen Sinn, mit dem Training zu beginnen, solange der Hund Ihnen in der Wohnung noch auf Schritt und Tritt hinterherläuft . Erst wenn der Hund Sie im Haus nicht mehr verfolgt, können Sie am Verlassen der Wohnung arbeiten. Sie sollten es minutenweise aufbauen, etwa indem Sie ohne den Welpen zum Briefkasten oder zur Mülltonne gehen. Dabei sollten Sie Ihre Abwesenheitszeit nicht täglich steigern. Die heutigen Handys bieten tolle Möglichkeiten, sich davon zu überzeugen, dass der Welpe tatsächlich während der Abwesenheit entspannt. Wenn Sie Zweifel haben, sprechen Sie am besten Ihren Trainer in der nächsten Welpenstunde an. Er wird Ihnen sicher mit guten Tipps weiterhelfen können.

Die Hundeschule

Nutzen Sie die Besuche in der Hundeschule, um Fragen zu stellen. Sie werden sehen, Sie sind nicht allein mit Fragen rund um die Welpenzeit. In einer guten Welpenstunde können Freundschaften fürs Leben entstehen und das nicht nur unter den Hunden. Sie und der Welpe lernen die ersten Übungen wie Sitz, Liegen auf der Decke und Ähnliches. Eine gute Welpenstunde erkennen Sie daran, dass der Trainer Zeit für Mensch und Hund hat. Die Welpen sollten die Möglichkeit zum freien Spiel haben, ohne dass sie „alles unter sich ausmachen“. Das Spiel junger Hunde sollte von einem erfahrenen Trainer geführt werden. Wenn Ihr Hund sich im Spiel dauerhaft aus der Gruppe zurückzieht und versteckt, dann sollten Sie überlegen, ob das für Sie und Ihren Welpen die richtige Gruppe ist. Grundsätzlich empfehle ich meinen Welpenbesitzern gerne: „Hört auf euer Bauchgefühl!“ Wenn Sie es für Ihren Hund nicht okay finden, machen Sie es nicht. Man bekommt auf jedem Spaziergang ungefragt gute Ratschläge. Nicht jeden sollte man unreflektiert umsetzen – sprechen Sie mit dem Trainer Ihrer Hundeschule darüber, denn zum einen hält sich längst überholtes Wissen erstaunlich lange und zum anderen passt nicht jeder Ansatz zu jedem Hund und zu jeder Rasse. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen tollen gemeinsamen Start.

Conny HarmsZur Person

Conny Harms ist zertifizierte Hundeerzieherin IHK|BHV, Dummy- und Hundeführerscheinprüfer im BHV. Sie ist Mitinhaberin der Hundeschule am Schwanheimer Wald, Frankfurt am Main. Ihr Fokus liegt auf der vertrauensvollen Beziehung zwischen Mensch und Hund. Spaß beim Training sollte für Mensch und Hund ganz oben stehen.

Kontakt

www.Hundeschule-am-Schwanheimer-Wald.de

 

 

 

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