Gefahr Giftköder - Hilfe und Möglichkeiten der Prävention

Waldems-Esch, 02.05.2016
Gefahr Giftköder – Stete Sorge für Hundehalter - Hilfe und Möglichkeiten der Prävention

Zur Zeit häufen sich die traurigen Meldungen über Hunde, die durch vergiftete oder mit scharfkantigen Gegenständen präparierte Futterbrocken verendet sind. Giftköderwarnungen, Giftköder Radar, Tricks gegen Giftköder und Präventionsprogramme sind in aller Munde. Der BHV sprach mit Aria-ne Ullrich, diplomierte Verhaltensbiologin, Vorsitzende des BHV-Ausbildungsrats und Inhaberin des Zentrums MenschHund! www.mensch-hund-lernen.de, wie man seinen Hund wirksam schützen kann und was man dabei beachten muss.

Das Problem „Giftköder“ für Hunde geht aktuell durch alle Medien. Sehen auch Sie eine Gefahr für die Hunde Ihrer Kunden und Ihre Hunde?

Ja, die Gefahr ist zur Zeit in ganz Deutschland vorhanden. Vor allem weil durch Weitergabe von Bildern und Beschreibungen der Köder vermutlich immer mehr Menschen angeregt werden, ihren Unmut auf diese Weise auszudrücken. Ich plädiere dafür, Funde anzuzeigen und die Hundehalter zu warnen, aber Bilder von Ködern sollten nur an die Polizei gehen. Der Versuch, Hunde zu vergiften, ist kein Kavaliersde-likt, sondern erfüllt den Tatbestand der Tierquälerei laut Tierschutzgesetz. Nicht zuletzt wird dadurch auch billigend in Kauf genommen, dass Kinder sterben können und Wildtiere die Köder aufnehmen.
Trotzdem wird ein nicht unerheblicher Teil der Vergiftungen durch unsachgemäßen Umgang mit Haushaltschemikalien sowie durch Pestizide in der Landwirtschaft verursacht.

Sollte man Hunde wegen der Gefahr nur noch an der Leine laufen lassen, ggf. mit Maulkorb?

In Gebieten, wo die Gefahr konkret hoch ist, ist das auf jeden Fall eine Präventions-maßnahme. Trotzdem ist es nicht sinnvoll in Panik zu verfallen und den Hund so einzu-schränken, dass dadurch die Lebensqualität sinkt. Besser ist es, genau aufzupassen und gezielt zu trainieren.

Kann man seinem Hund beibringen, dass er nichts mehr vom Boden aufnimmt?

Jain. Sicherlich kann man das Risiko minimieren, dass er Dinge aufnimmt. Man kann trainieren, Fressbares anzuzeigen, Dinge wieder herzugeben etc. Dennoch ist ein Hund kein Computer und Gifte nicht zwangsläufig immer mit Fressbarem verbunden. Ein Risiko wird immer bleiben. Aber das Training diesbezüglich kann es minimieren.

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Oskar findet etwas Fressbares,
Quelle: A. Ullrich

Auf was muss man beim Training achten?

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Er meldet es seinem Frauchen durch
Anspringen, Quelle: A. Ullrich
Wichtig ist, dass man im Training auf Kooperation mit dem Hund baut. Der Hund muss Freude an dem "Spiel" haben, damit man sich später auf ihn verlassen kann. Lernt er, dass es Ärger gibt, wenn er was Fressbares aufnimmt, ist die Gefahr groß, dass er lernt, das Futter nur schneller herunterzuschlucken oder es heimlich aufzunehmen und Strategien entwickelt, Dinge zu finden und zu fressen, wenn man gerade nicht aufpasst. Gerade wenn der Abstand zwischen Mensch und Hund größer und keine Leine mehr dazwischen ist, lernt der Hund schnell, noch schneller als der Mensch zu sein.


Welche Fehler kann man beim Training machen?

Fehler im Training sind meistens Ungeduld und zu große Schritte. Ziel ist, dass der Hund einen Fund beim Besitzer meldet, zum Beispiel durch Anstupsen. Dann muss er seinem Besitzer zeigen, wo das Fressbare liegt. Dabei handelt es sich um viele Lernschritte und der Hund muss verstehen, dass er das Verhalten bei allen Futtergerüchen, die im Alltag auf dem Boden zu finden sind, zeigen soll. Dies ist eine sehr komplexe Aufgabe, die viel Training und Zeit einfordert. Ein typischer Trainingsfehler ist, den Hund nicht ausreichend zu belohnen, so dass er irgendwann entscheidet, dass es sich doch mehr lohnt, das Gefundene schnell zu fressen. Oskar3
Oskar führt sein Frauchen hin und zeigt es durch Hinlegen an, Quelle: A. Ullrich

Ein weiterer Fehler ist, zu wenig Zeit mit dem Generalisieren zu verbringen. Um dies zur vermeiden, muss man das Verhalten an vielen verschiedenen Orten mit vielen verschiedenen Futtersorten üben. Sonst lernt der Hund nämlich, dass er melden soll, wenn Fleischwurst herumliegt, aber nicht, wenn es ein Brötchen gibt, das im Gebüsch versteckt ist. Oder einen Tennisball, der mit Leberwurst eingerieben ist. Oder ein Steak, das ihm über den Zaun gereicht wird.

Was ist zu tun, wenn der Hund trotz aller Vorsicht etwas gefressen hat?

Als erstes ist sofort der Tierarzt anzurufen und anzumelden, dass man mit einem vergifteten Hund kommt. Dann sollte der Köder (wenn noch etwas vorhanden ist) eingepackt und mitgenommen werden. Oder das Erbrochene, wenn der Hund sich erbrochen hat. Auf jeden Fall die Ruhe bewahren, damit der Hund nicht zusätzlich aufgeregt wird. Wenn Aktivkohle zu Hause vorhanden ist, kann diese dem Hund gegeben werden. Als Faustregel gilt 1g/kg Körpergewicht. Ist der Hund bewusstlos, wird er in die stabile Seitenlage gebracht und so transportiert. Es muss darauf geachtet werden, dass die Atemwege frei bleiben. Am besten nimmt man sich einen Helfer mit, wenn möglich.

Wo erhalten Hundehalter Unterstützung im Training und bei ihren Fragen?

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Paula zeigt durch Liegen und Bellen an, dass sie etwas gefunden hat, Quelle: A. Ullrich
Hundeschulen des BHV bieten oftmals gezieltes Antigiftködertraining an. Auch Seminare gibt es zu diesem Thema immer häufiger. Tierärzte bieten Erste Hilfe Kurse, die ebenfalls hilfreich sind.


Kontaktadressen von Hundeschulen, die Antigiftködertraining oder Antigiftköder-Seminare anbieten, erhält man bei der BHV-Geschäftsstelle Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder auf der BHV-Homepage www.hundeschulen.de. Dort findet man auch Ansprech-partner für alle weiteren Fragen rund um Hundehaltung, Erziehung und Ausbildung.

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